Stell dir vor, du planst einen neuen Ratgeber-Artikel: "Welcher Laufschuh passt zu mir?"
Du brauchst Keyword-Ideen, dazu Suchvolumen, die Top 10 der SERP, dann vielleicht die Sichtbarkeit der rankenden Domains. Und am Ende soll daraus eine Outline werden, die du deinem Autor in die Hand drücken kannst.
Wie lief das früher? Du hast keywordtool.io aufgemacht, Keywords gezogen, in eine Tabelle exportiert. Dann rüber zu ahrefs, Wettbewerbsdaten geholt, in die nächste Tabelle. Sistrix für die Domain-Sichtbarkeit, wieder Tabelle. Und dann? Hast du dich hingesetzt, alles manuell zusammengeführt und versucht, daraus Schlüsse zu ziehen. Mehrere Stunden, mehrere Tools, mehrere Tabs, jede Menge Copy-Paste.
Diese Zeiten sind vorbei. Dank MCPs der Tool-Anbieter geht das jetzt sehr viel effizienter!
MCP steht für Model Context Protocol und ist ein offener Standard, den Anthropic Ende 2024 eingeführt hat. Stark vereinfacht: MCP ist die Schnittstelle, über die externe Tools direkt mit Claude (oder anderen LLMs) kommunizieren können. Kein API-Bastelkram, keine Zapier-Brücke, kein "ich exportiere mal eben ein CSV und packe es in den Prompt". Du verbindest das Tool einmal mit Claude - und ab diesem Moment ist es da. Wie eine native Funktion.
Konkret heißt das: Wenn keywordtool.io einen MCP-Server bereitstellt (was sie tun), kann Claude ihn aufrufen. Du fragst Claude nach Keywords - und Claude zieht sie sich live aus dem Tool. Inklusive Suchvolumen, Wettbewerbsdaten und was auch immer das Tool hergibt.
Und genau das ist der Punkt, an dem es interessant wird.
MCPs sind ein Standard, der plötzlich alles miteinander verbindet, was vorher in Silos saß.
Klingt erstmal abstrakt. Wird konkret, wenn ich's dir zeige.
Beispielhafter Workflow: Ein einziger Claude-Chat, drei MCPs (keywordtool.io, ahrefs, Sistrix) liefern das Endprodukt: eine vollständige Artikel-Outline für einen Laufschuh-Ratgeber. Keine Exports, keine Zwischentabellen, kein Copy-Paste.
Im Schnelldurchlauf: Komplettes Durchscrollen des Claude-Chats vom ersten Prompt bis zur fertigen Outline
Mein Prompt war sehr simpel und zeigt dadurch auch, wie viel Luft noch nach oben ist für noch besseren Output. Für die folgenden Beispiel gilt aber: keep it simple.
"Ich plane einen Artikel darüber, wie man den perfekt passenden Laufschuh finden kann. Kannst du mir dazu bitte Keywordideen aus keywordtool.io inkl. Suchvolumen geben?"
Claude hat den keywordtool.io-MCP angesprochen, die Daten geholt und sie direkt thematisch geclustert: Haupt-Keywords, W-Fragen, Intent usw. Inklusive Suchvolumen.
Das stärkste Keyword: "welcher laufschuh passt zu mir" mit 880 Suchen/Monat. Dazu zig Longtail.Keywords, die ich sonst über separate Suchen hätte zusammensammeln müssen.
Im selben Chat - das ist der Punkt - nachgehakt:
"Kannst du mir bitte aus ahrefs den Wettbewerb für die Hauptkeywords raussuchen?"
Claude wusste, welche Hauptkeywords gemeint sind (die aus Schritt 1). Hat den ahrefs-MCP angesprochen, KD-Werte und Traffic-Potenzial geholt - und mir die wirklich relevanten Erkenntnisse rausgezogen. Stichwort: KD von 4 auf "welcher laufschuh passt zu mir" bei 1.000 Traffic-Potenzial. Nice!
Direkt im Anschluss noch die Top 10 der SERP geholt:
"Ja, bitte die Top 10 Seiten."
Sechs Worte. Mehr braucht es nicht. Claude hatte den Kontext, holte sich die Daten, und lieferte nicht nur die Liste, sondern auch die strategische Einordnung: Drei der Top-6-Plätze bieten interaktive Tools (Finder, Berater, Quizzes). Backlinks spielen praktisch keine Rolle, Topical Authority schlägt Domain Authority. Wer Top 3 will, braucht ein interaktives Element.
Letzte Frage, die das Gesamtbild komplett macht:
"Nenne mir bitte noch für jede der Domains die Sichtbarkeit in Deutschland aus Sistrix."
Sistrix-MCP, Sichtbarkeitsindex pro Domain, gemappt auf die SERP-Position. Und diese Erkenntnis wird mir direkt mit aufbereitet:
| Position | Domain | SI (DE) |
|---|---|---|
| 1 | bunert.de | 1,13 |
| 5 | sportscheck.com | 25,93 |
| 10 | breuninger.com | 37,80 |
Auf Platz 1 rankt eine Domain mit Sichtbarkeit 1,13 – auf Platz 10 eine mit 37,80. Faktor 33. Und der kleine Spezialist gewinnt. Wer hier ranken will, braucht keine starke Domain, es braucht ein gutes Format.
Final bringt dieser Task der den ganzen MCP-Workflow zusammen:
"Bitte erstelle mir jetzt aus allen Erkenntnissen (keywordtool.io und ahrefs) eine Outline für meinen Ratgeber."
Claude hatte den vollen Kontext: die Keywords mit Volumen, die KD-Daten, die SERP-Struktur, die Sichtbarkeitsbeobachtung usw. Und hat daraus eine Outline gebaut, die nicht nur thematisch sauber ist, sondern strategisch begründet. H2 für die 6 Faktoren, weil das die Longtails abdeckt. Interaktiver Finder als eigener Abschnitt, weil die SERP es erfordern. FAQ-Block mit den "People Also Ask"-Fragen und schema.org-Empfehlungen. Keyword-Cluster-Übersicht zum Abgleich beim Schreiben. Bäm!
Das war's. Ein Chat, vier Prompts, fertige Strategie.
Es ist nicht die einzelne MCP-Anbindung. keywordtool.io direkt aus Claude abzufragen ist nett, aber für sich genommen kein Weltwunder. Das ging in ähnlicher Art auch schon via API. Der Hammer ist die Verkettung.
Früher wäre das so gelaufen: keywordtool.io öffnen, Keywords ziehen, in Tabelle exportieren. Tab zu ahrefs, jedes Hauptkeyword einzeln eingeben und KD notieren. SERP-Übersicht für das Hauptkeyword aufrufen, Top-10-Domains rauskopieren. Tab zu Sistrix, jede Domain einzeln aufrufen, SI ablesen, in die Tabelle übertragen. Dann zurücklehnen, alles anschauen, versuchen Muster zu erkennen. Outline manuell schreiben.
Realistisch: Mindestens zwei bis drei Stunden. Plus die Wahrscheinlichkeit, dass mir die Sichtbarkeitsbeobachtung von oben oder ähnliches überhaupt nicht aufgefallen wäre, weil ich beim manuellen Übertragen schon im Tunnel bin.
Mit MCPs: 15 Minuten. Vier Prompts. Die Insights kommen mit, weil die KI die Daten nicht nur sieht, sondern auch auswertet.
Der Punkt, der mich am meisten begeistert: Claude hat über den ganzen Chat den Kontext behalten. Die Keywords aus Schritt 1 waren in Schritt 4 noch da. Die SERP-Erkenntnis aus Schritt 2 floss in die Outline ein. Du baust dir in einem Chat ein vollständiges Briefing auf - ohne irgendetwas zweimal sagen zu müssen.
Damit das hier kein Tutorial wird: Die Einbindung der MCPs läuft bei jedem Anbieter sehr ähnlich.
Wer einmal einen Connector eingebunden hat, hängt den nächsten in zwei Minuten dran. Das ist wirklich kein Hexenwerk.
MCPs sind kein "in zwei Jahren wird das vielleicht relevant"-Thema. Sie ist jetzt da, und die typischen Tools, die wir im SEO-Alltag nutzen, haben ihre MCPs entweder schon online oder sie kommen ziemlich sicher in den nächsten Monaten.
Die Qualität der Auswertung steht und fällt (nach wie vor) mit der Präzision deiner Prompts. "Mach mir mal eine Recherche" reicht nicht, wer aus dem Workflow rausholen will, was drinsteckt, muss wissen, was er fragt.
Wer sich jetzt nicht damit beschäftigt, lässt täglich Effizienz auf der Straße liegen. Nicht in Form von "ein paar Minuten Zeitersparnis pro Recherche", sondern in Form von Erkenntnissen, die du sonst vielleicht gar nicht erst ziehen würdest. Weil du in der Tab-Hopperei und im Copy-Paste-Tunnel den Blick fürs Ganze verlierst.
Mein Workflow für Aufgaben wie die beispielhaft gezeigte Keyword-Recherche hat sich in den letzten Wochen und Monaten erheblich geändert. Und ich gehe jede Wette ein: Du wirst nach dem ersten ernsthaften Versuch genauso wenig zurück wollen wie ich.
Was sind deine ersten Erfahrungen mit MCPs in Claude? Welche Tool-Connectors nutzt du schon, welches MCP fehlt dir noch in deinem Stack? Verrate es mir und anderen Leser:innen in den Kommentaren! :-)
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